Adalbert Stifter

Schriftsteller, Lyriker, Maler und Pädagoge

* 1805   † 1868

 

Lebenslauf

Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 in Oberplan, Böhmen, in eine arme Leinweberfamilie hinein geboren. Sein Vater kam bei einem Unfall mit seiner Flachsfuhre im Jahre 1817 ums Leben. Seine Mutter Magdalena heiratete in zweiter Ehe zwei Jahre später den Bäckermeister Ferdinand Mayer.

Lateinschule in Kremsmünster, Jusstudium in Wien

Nach dem Unfalltod des Vaters kam es zu einer engeren Bindung Stifters mit seinem Großvater. Dieser ermöglichte ihm auch, die Lateinschule in Kremsmünster zu besuchen. An dieser Schule entdeckte Stifter seine Neigung zur Literatur, aber auch zu den Naturwissenschaften und vor allem zur Malerei.

Im Jahre 1826 reiste Adalbert Stifter auf einem Donaufloß mit zwei Freunden von Linz nach Wien, um zu studieren. Er begann ein Jusstudium, das er 1830 abbrach.

Jugendliebe Fanny Greipel, Ehefrau Amalia Mohaupt

1827 lernte er seine Jugendliebe Fanny Greipel kennen. Sie begleitete ihn emotional sein ganzes Leben lang. Im Sommer 1829 traf er Fanny in Bad Hall. Die dort im Park und in Bad Hall gemeinsam verbrachte Zeit bezeichnete Stifter später als "zu den ungetrübtesten Stunden" seines Lebens zählend.

1833 begegnete ihm in Wien die damals 22-jährige Amalia Mohaupt, eine Offizierstochter und Modistin, welche er am 15. November 1837 ehelichte.

vielfältige Interessen, erste Schritte als Maler und Dichter

In seine Studienzeit fiel die Veröffentlichung seiner ersten Gedichte unter Pseudonym. Zudem widmete er sich intensiv der Malerei, und begeisterte sich für Physik, Mathematik, Astronomie, Geschichte und Philosophie.

Im Jahre 1839 entstanden die ersten wichtigeren Gemälde "Blick auf Wiener Vorstadthäuser" sowie "Blick in die Beatrixgasse" und "Ruine Wittinghausen". Die Erzählung "Der Condor" erschien 1840 in der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" und weitere Publikationen in Zeitschriften und Almanachen brachten schließlich die ersehnte Anerkennung als Dichter.
Ausgehend von einer Begegnung mit dem Verleger Gustav Heckenast lieferte er Beiträge für das Sammelwerk "Wien und die Wiener". Seine materielle Lage besserte sich und auch das gebildete Wien begann sich für ihn zu interessieren.

Auszug aus “Die Sonnenfinsternis am 8. Juli 1842”

Am 8. Juli 1842 beobachtete Adalbert Stifter von seinem Wohnhaus in Wien die totale Sonnenfinsternis.

“Aber, da sie nun wirklich eintraf, da ich auf einer Warte hoch über der ganzen Stadt stand und die Erscheinung mit eigenen Augen anblickte, da geschahen freilich ganz andere Dinge, an die ich weder wachend noch träumend gedacht hatte, an die keiner denkt, der das Wunder nicht gesehen.
Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, von Schauer und Erhabenheit so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden. Ich stieg von der Warte herab, wie vor tausend und tausend Jahren etwa Moses von dem brennenden Berge herabgestiegen sein mochte, verwirrten und betäubten Herzens.
Es war ein so einfach Ding. Ein Körper leuchtet einen andern an, und dieser wirft seinen Schatten auf einen dritten: aber die Körper stehen in solchen Abständen, daß wir in unserer Vorstellung kein Maß mehr dafür haben, sie sind so riesengroß, daß sie über alles, was wir groß heißen, hinausschwellen – ein solcher Komplex von Erscheinungen ist mit diesem einfachen Dinge verbunden, eine solche moralische Gewalt ist in diesen physischen Hergang gelegt, daß er sich unserem Herzen zum unbegreiflichen Wunder auftürmt.”

"Abdias"

Das Jahr 1842 brachte Adalbert Stifter mit der Veröffentlichung seiner Erzählung “Abdias” endgültig den literarischen Durchbruch.

“Abdias ist ein afrikanischer Jude, der in der Wüste lebt und dort seine Schätze hortet. Er muss erleben, dass sein Kampf um Reichtum keine Freundschaften wachsen und keine Liebe entstehen lässt, sondern nur Neider auf den Plan ruft. Sein Haus wird von Räubern geplündert und zerstört, seine Frau stirbt nach der Geburt eines Kindes. Abdias verlässt daher seine Heimat und wandert nach Europa aus. Hier wendet er seine ganze Liebe und Fürsorge seiner Tochter zu, doch auch sie wird ihm genommen.”

Privatlehrer, "Bergkristall", Reise nach München

Von 1843–1846 unterrichtete Stifter den Sohn des Staatskanzlers Metternich in Physik und Mathematik. Zwischen 1844 und 1850 wurden seine frühen Erzählungen veröffentlicht. So auch - als Teil von “Bunte Steine” seine vielleicht bekannteste Erzählung, die Weihnachtsgeschichte “Bergkristall”.

1846 reiste Stifter nach München und besuchte dort den Maler Heinrich Bürkel. Er begegnete erstmals Robert und Clara Schuhmann sowie Joseph von Eichendorff. Es entstanden die Erzählungen "Der Waldgänger" und "Tod einer Jungfrau".

Feminist, Landesschulinspektor, Konservator

Im Jahre 1847 bemühte sich Adalbert Stifter verstärkt, öffentliche Vorträge "Über das Schöne" halten zu dürfen, die auch für Frauen zugänglich sein sollten. Den Sommer über verbrachte er in Linz. Juliane Mohaupt, die sechsjährige Nichte Amalias, wird an Kindes statt aufgenommen.

1848 folgte die Übersiedlung des Ehepaars Stifter nach Linz. Er wurde 1850 zum Schulrat (Landesschulinspektor) für die Volksschulen in Oberösterreich ernannt. Sein idealistischer Einsatz für verschiedene Reformen im Schulwesen zerbrach jedoch am Widerstand der Schulbehörde, die ihm 1856 die Inspektion der Linzer Realschule entzog.

1852 wurde Adalbert Stifter von der k.k. Zentralkommision zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale zum Konservator von Oberösterreich ernannt.

Schicksalsschläge, Erkrankungen, vorzeitiger Ruhestand

Zwei Schicksale trafen ihn hart. 1858 starb seine Mutter. Am 25. April 1859 wurde seine zweite Ziehtochter Juliane tot aus der Donau geborgen.

1863 erkrankte Stifter an Leberzirrhose, die ihn 1865 endgültig in den Ruhestand zwang.

Er litt an einer Nervenkrankheit, die durch drei Kuraufenthalte in Karlsbad und längere Aufenthalte in Lackenhäuser (Bayerischer Wald) und in Kirchschlag zwar gemildert, jedoch nicht geheilt werden konnte.

Depressionen, Verbitterung, Verzweiflungstat mit Todesfolge

Er wurde zunehmend depressiver, er war auch über seine kinderlose Ehe schwer enttäuscht. Seine Verbitterung nahm dramatische Züge an. Schließlich fügte sich Adalbert Stifter in seiner Verzweiflung am 26. Jänner 1868 mit einem Rasiermesser einen Schnitt in den Hals zu. Als Folge dessen verstarb er, ohne wieder das Bewusstsein erlangt zu haben, am 28. Jänner 1868.

DER SCHNITT DURCH DIE KEHLE ODER DIE AUFERSTEHUNG DES ADALBERT STIFTER

Kurt Palm produzierte einen ausgezeichneten Film über Adalbert Stifter. Er versuchte, dem Literaten von Weltrang, der erst von nachfolgenden Generationen als solcher eingestuft werden konnte und kann, mit seiner ungewöhnlichen Studie ein kleines, ungewöhnliches Denkmal zu setzen. Er drehte an Originalschauplätzen in Österreich, Böhmen, Bayern und Italien.

Dichtungen

Frontispiz des zweiten Bandes der Bunten Steine mit einer Illustration Ludwig Richters (Erstausgabe)
Julius (1830)
Der Condor (1840)
Feldblumen (1841)
Das alte Siegel (1844)
Die Narrenburg (1844)
Studien (6 Bände – 1844/1847/1850)
Das Haidedorf (1840)
Der Hochwald (1841)
Abdias (1842)
Brigitta (1844)
Der Hagestolz (1845)
Der Waldsteig (1845)
Der beschriebene Tännling (1846)
Der Waldgänger (1847)
Der arme Wohltäter (1848)
Prokopus (1848)
Die Schwestern (1850)
Der Pförtner im Herrenhause (1852)
Bunte Steine (2 Bände – 1853):
Granit
Kalkstein
Turmalin
Bergkristall
Katzensilber
Bergmilch

Der Nachsommer (1857)
Die Mappe meines Urgroßvaters (in drei Fassungen erschienen: 1841/1842; 1847 und 1972)
Nachkommenschaften (1864)
Witiko (3 Bände – 1865–1867)
Der Kuß von Sentze (1866)
Erzählungen (1869)

Essays und andere Schriften

Die Landschule, (1849)
Über den geschnitzten Hochaltar in der Kirche zu Kefermarkt, (1853)
Lesebuch zur Förderung humaner Bildung in Realschulen und in andern zu weiterer Bildung vorbereitenden Mittelschulen, (1854) Hrsg: Stifter und J.Aprent

Gemälde

Ruine Wittinghausen (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1833–35
Im Gosautal, 1834
Der Königssee mit dem Watzmann (Wien, Österreichische Galerie), 1837, Öl auf Leinwand, 36 x 45 cm
Blick über Wiener Vorstadthäuser – Beatrixgasse (Wien, Österreichische Galerie), 1839, Öl auf Holz
Blick in die Beatrixgasse (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), 1839
Mondlandschaft mit bewölktem Himmel (Wien Museum, Schubert-Geburtshaus), um 1850

Die Totenmaske

Josef Rint nahm Adalbert Stifter die Totenmaske ab.

Gedenkorte, Denkmäler, Gedenktafeln

Das Ehrengrab am St. Barbarafriedhof in Linz

Weblinks

Wir erinnern uns

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